Durch den Regionaltag habe ich viel Neues über den Hl. Bonaventura erfahren. Ich wusste zuvor nur, dass er die beiden Lebensbeschreibungen über Franziskus geschrieben hatte (Legenda maior, Legenda minor) und dass er ein guter Prediger war. Schon beim Hören seiner Biografie entdeckte ich einige Neuigkeiten, auch über den Beginn der Franziskanergemeinschaft. Bonaventura, meist abgebildet in der Franziskanerkutte mit dem Kardinalshut, wurde bei einem Generalkapitel – in seiner Abwesenheit – zum Generalminister gewählt. Zu dieser Zeit gab es verschiedene Strömungen innerhalb der Brüder: diejenigen, die so leben wollten, wie Franziskus es vorgelebt hatte, aber auch jene, die einen nicht so strengen Umgang mit Geld, Besitz und Armut wollten. Bonaventura lebte als ein Wissenschaftler und Theologe in Paris und hat die franziskanische Spiritualität und Theologie durchgedacht, ausgeformt und ausformuliert. So sind die beiden Lebensbeschreibungen eine theologisch, spirituelle Auslegung, wer Franziskus war / ist.

Die Zahl „DREI“ spielt bei Bonaventura in Anlehnung an die Dreifaltigkeit immer eine Rolle (z. B. „Vom dreifachen Weg“). Bonaventura stellt bei Franziskus die Stigmatisierung in den Mittelpunkt. Franziskus erlebt in der Stigmatisierung das Hineingenommensein in die Gegenwart Gottes, ausgedrückt in dem Seraph, der 2 x 3 Flügeln trägt. Die Kontemplation des Franziskus basiert in der Betrachtung der Stigmatisierung. Die Auslegung der Stigmatisierung ist ein Kennzeichen für Bonaventura.

Das Bild vom „Baum des Lebens“ ist auch das Grundbild des Bonaventura. Geschrieben wurde das mystische Werk um 1260. Der Baum ist für Bonaventura das Bild für Spiritualität. Wir sahen ein Bild vom Fresko mit dem „Baum des Lebens“ von Taddeo Gaddi: In der Mitte befindet sich Christus der Gekreuzigte, darüber Maria mit dem Jesuskind, seitlich an den Ästen verschiedene Propheten. Was für mich beeindruckend war, war die Darstellung von Franziskus, der den Baumstamm umfasst und von Bonaventura, der beim Baumstamm sitzt und schreibt. Da wurde für mich der Unterschied sehr deutlich: Franziskus, der berührt, der ganzheitlich erlebte und Bonaventura, der der Wissenschaftler, Theologe und Denker war.

Neben den Ausführungen und dem Arbeiten mit Texten des Hl. Bonaventuras wurde auch dem 25 Jahre INFAG Österreich Jubiläum eine Zeit gewidmet. Der Rückblick anhand einer Power-Point-Präsentation von Sr. Franziska zeigte den Beginn der INFAG. Die Erinnerungen und die alten Fotos ließen oft ein Lächeln in Dankbarkeit über die Gesichter der Schwestern huschen.

Besonders gedankt wurde auch Sr. Judith Putz und ihrer Gemeinschaft (Grazer Schulschwestern), die sich seit 2002 voll für die INFAG Österreich eingesetzt und die ihren offiziellen Dienst – die Betreuung des INFAG-Büros – jetzt zurückgelegt hat.

Sr. Elisabeth Knapp SSM


Dieser Tag war sicher für alle, die dabei waren, sehr wertvoll, denn wir haben viel über den heiligen Bonaventura erfahren und Impulse für unser eigenes geistliches Leben mitgenommen. 

Im Vortrag über das Leben des heiligen Bonaventura entstand für mich das Bild eines großen Gelehrten, eines leidenschaftlichen Verehrers des heiligen Franziskus und eines Mannes der Einheit. Er wird zum Generalminister des Franziskanerordens gewählt und ist bereit die sehr anerkannte Tätigkeit eines Professors für Theologie in Paris aufzugeben, um seine ganze Kraft in den Dienst des zerstrittenen Franziskanerordens zu stellen. Bonaventura zieht sich auf den Berg La Verna zurück, dann schreibt er seine Franziskusbiographie, um den Mitbrüdern zu erklären, wer Franziskus war. Durch seinen Einsatz, seine innige Beziehung zum dreifaltigen Gott und seine intellektuellen Fähigkeiten kann er für eine gewisse Zeit die Einheit des Ordens erhalten.  

Sehr interessant fand ich die Auseinandersetzung mit Ausschnitten aus den Schriften des heiligen Bonaventura. Es sind anspruchsvolle Texte, und daher finde ich es sehr gut, wenn uns  auf einem Studientag geholfen wird, einen Zugang dazu zu finden.  Im „Baum des Lebens“ ruft Bonaventura zum Schweigen, zum innigen Gebet, zum Fasten  und zum Vertrauen auf Jesus auf. Niemand soll wegen der eigenen Sünden verzweifeln, sondern zu Jesus seine Zuflucht nehmen. In dem Buch „Der dreifache Weg“ empfiehlt Bonaventura den Weg zu Gott in drei Abschnitten zu gehen: zuerst die Meditation, dann das Gebet und als drittes die Kontemplation. Dem Gebet soll die Gewissenserforschung vorangehen. Man überlegt, welche Hindernisse es in der eigenen Beziehung zu Gott gibt. Das Gebet soll verbunden sein mit der Sehnsucht nach Gott und der zuversichtlichen Hoffnung, die wir durch Jesus haben. Die Kontemplation führt letztlich zu Frieden, Wahrheit und Liebe.

Ich glaube, dass es wichtig ist, diese Impulse zu nützen. Ein herzliches Dankeschön an den Referenten, Bruder Paul Zahner, der diesen interessanten und schönen Studientag für uns gestaltet hat!

                                                                                                                       Sr.Christiane Heinz